Welche Präsentationen wirklich inspirieren

Es gibt kaum etwas Langweiligeres als eine zweistündige Präsentation mit einer PowerPoint-Chart-Schlacht und Balkendiagramm auf Balkendiagramm. Niemand weiß das besser als wir Marktforscher. Wir kommen gar nicht umhin diesen Zwiespalt zu bewältigen. Unsere Kunden erwarten detaillierte Erkenntnisse als Gegenleistung für Ihre Investition, gleichzeitig möchten Sie aber nicht mit einer Flut von Daten überfrachtet werden. Mit anderen Worten: wir müssen selbst inspirierend in unseren Präsentationen sein, wenn wir die Kunden zur Umsetzung der Erkenntnisse aus der internationalen Marktforschung inspirieren möchten.

Carmine Gallo glaubt die Formel für eine perfekte Präsentation gefunden zu haben. Das Ergebnis stützt sich auf die Auswertung von 500 der populärsten TED-Präsentationen, auf Interviews mit renommierten-TED Referenten und mit Experten aus der Neurowissenschaft, der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft. Danach sind es drei fundamentale Prinzipien, die – falls entsprechend angewendet und ausgeführt – eine TED-würdige Präsentation ausmachen; eine Präsentation, die gleichermaßen die Herzen und den Verstand der Zuhörer erreicht.

Die drei Prinzipien einer inspirierenden Präsentation sind:

Emotional
EMOTIONAL – sie berührt mein Herz
Neu
NEU – sie lehrt mich etwas Neues
EINPRÄGSAM
EINPRÄGSAM – sie präsentiert den Inhalt in einer Form, die ich niemals mehr vergessen werde

 

Carmine Gallo erklärt die Grundlagen dieser Prinzipien in seinem Buch mit dem treffenden Titel „Talk Like Ted“.

Welche Präsentationen wirklich inspirieren

Man kann diesen Prinzipien schnell zustimmen, entsprechen sie doch dem, was uns der gesunde Menschenverstand sagt. Was uns aber verblüfft ist die Tatsache, dass die meisten in der Wissenschaft wurzeln. Für den daten- und faktenverliebten Marktforscher ein guter Grund, diesen Prinzipien zu vertrauen.

Hier eine Zusammenfassung:

emotional

EMOTIONAL

Prinzip 1: Berühre mich

Suchen Sie eine intensive, für Sie selbst bedeutungsvolle Verbindung zum Thema. Dies wird Ihnen helfen zu überzeugen. Das muss nicht notwendigerweise direkt auf dem Inhalt der Präsentation beruhen – es kann aus einem weiteren Kontext (ein Erlebnis, ein Zitat, eine Geschichte…) gegriffen sein und dann mit dem Thema verknüpft werden – wichtig ist, dass Sie „brennen“, wenn Sie es erzählen.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Leidenschaft ansteckend ist und somit außerordentlich nützlich, wenn Sie andere überzeugen wollen!

Prinzip 2: Erzähle mir eine Geschichte

Die erfolgreiche Überzeugungsrede beruht laut Aristoteles auf drei Säulen: Ethos (Glaubwürdigkeit, Expertise, Reputation), Logos (Daten, Statistik, Logik) und Pathos (Emotionaler Reiz – erfolgreiches Erzählen).

Eine der erfolgreichsten TED-Präsentationen war eine Rede von Bryan Stevenson, sie endete mit den längsten Standing Ovations der TED-Geschichte. Bei der Analyse seiner Präsentation, die aus 4.057 Worten bestand, wurde jeder Satz nach Ethos, Logos und Pathos kategorisiert: 65% der gesamten Präsentation entfielen auf Story Telling und zielten damit auf die Emotionen der Zuhörer.

Die Wissenschaft belegt, dass Geschichten gleich mehrere Bereiche unseres Gehirns aktivieren. Vom Sprachzentrum über die Sensorik hin zu den visuellen und motorischen Bereichen. Daher bleiben Geschichten besser im Gedächtnis haften.

Prinzip 3: Unterhalte mich

Die Kunst zu präsentieren verlangt Praxis und Vertrauen in die eigene Stimme und den eigenen Stil. Ein aufgesetzter Stil oder eine gestelzte Rede können nicht überzeugen. Der Zuhörer wird den „Fake“ erkennen, zumindest spüren. Das heißt für den Vortragenden: üben, üben, üben – bis eine Präsentation so natürlich wirkt wie eine Unterhaltung mit einem guten Freund. Setzen Sie auf Ihre eigene Ausdrucksweise. Und nicht vergessen: einfache Worte sind oft klarer und besser, um Ihren Punkt anzubringen.

neu

NEU

Prinzip 1: Erzähle mir etwas Neues

Kevin Alloca, Trend Manager bei YouTube, wollte verstehen, warum bestimmte Videos gegenüber anderen hervorstechen. Jede Minute werden auf YouTube so viele Videos hochgeladen, dass es zwei Tage bräuchte, um Sie nacheinander anzuschauen. Angesichts dieser Fülle ist es wirklich eine Leistung, wenn ein viraler Coup gelingt. Kevin Alloca’s Erkenntnisse aus seiner Untersuchung überraschen nicht: nur was wirklich einzigartig und unerwartet ist, kann sich abheben und durchsetzen.

Unser Gehirn ist darauf programmiert Neuem und Unbekanntem hohe Aufmerksamkeit zu widmen und dieses Neue sofort „abzuspeichern“. Hierbei wird Dopamin produziert, ein leistungsfähiger Botenstoff, der gewissermaßen als natürliche „Speichertaste“ dafür sorgt, dass wir neue Informationen behalten können.

Prinzip 2: Verblüffe mich

Inspirierende Präsentationen dürfen dem Publikum auch einmal den Atem rauben. Redner, die Überraschungen oder Unerwartetes, ja gar Schockierendes in die Präsentation einbauen, laden den Event mit Emotionen auf. Das bleibt haften.

Bill Gates‘ „TED Talk on Malaria Treatments 2009“ ist ein perfektes Beispiel hierfür. Während er sprach, öffnete er einen Behälter und entließ einen Schwarm Moskitos auf das Publikum…

Prinzip 3: Erheitere mich

Eine Prise Humor ist gut für Ihre Präsentation. Das hilft, die Distanz zum Publikum zu überwinden.

Die menschliche Natur ist so angelegt, dass sie zunächst eine (unbewusste) Abwehrhaltung einnimmt, wenn sie auf eine fremde Person in einem Raum trifft. Und der sogenannte erste Eindruck, den man sich von einer fremden Person macht, steht häufig noch unter dem Eindruck dieser „Abwehr“. Humor bringt Ihr Publikum zum Lächeln, dabei wird Serotonin produziert und hellt die Stimmung auf – das alles mildert die „Abwehrhaltung“ und macht Sie als Referent liebenswerter.

Dennoch vergewissern Sie sich, wer Ihr Publikum ist und geben Sie nicht den Comedian. Humor in einer Präsentation, das sind humorvolle Anekdoten, geistreiche Metaphern und Esprit. Und er ist dann richtig dosiert, wenn er bei den Zuhörern ein Lächeln erzeugt.

EINPRÄGSAM

EINPRÄGSAM

Prinzip 1: 18 Minuten!

TED Speaker folgen ausnahmslos der 18-Minuten Regel. Keine Präsentation darf diese Zeit überschreiten, es gibt keinerlei Ausnahmen. Das zwingt die Referenten zu Disziplin und Fokus auf das Thema. Es verringert darüber hinaus das Risiko, die kognitive Aufmerksamkeit der Zuhörer durch ermüdende Informationsfluten und Details zu verlieren.

Zufällig wird behauptet, dass es durchschnittlich 18 Minuten dauert, eine Tasse Kaffee zu trinken (Anmerkung der Autorin: zugegeben, das muss schon eine große Tasse sein!) – das ist perfekt für das Anschauen von TED Videos. Eine Präsentation dauert eine große Tasse Kaffee.

Prinzip 2: Sprich alle meine Sinne an

Nutzen Sie Multimedia und verschiedene Formate zum Präsentieren. Damit Sie mehr als nur einen der Sinne anregen: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen. Wenn das Gehirn des Zuhörers mehrfach stimuliert wird, so können Sie sich seiner vollen Aufmerksamkeit gewiss sein.

Glauben Sie nicht, Ihre Charts mit Text füllen zu müssen und schreiben Sie nicht Ihren Redetext auf Charts. Manchmal genügt ein einziges Wort auf einem Chart zur Visualisierung. Verwenden Sie Bilder, Videos, Ton – vielleicht sogar Duft oder eine Requisite. Zusammen mit einem reichen Wortschatz und einer durchgängigen Story wird dies Ihr Publikum fesseln.

Prinzip 3: Bleibe Du selbst

Last but not least – bleiben Sie sich treu. Niemandem schenkt das Publikum mehr Vertrauen, als einem authentischen Redner, der ehrlich und transparent ist und sich offensichtlich wohl fühlt in seiner Haut. Wie vorhin schon erwähnt wird ein „Schauspieler“ schnell erkannt und seinen Worten wird weniger Vertrauen geschenkt.

Präsentieren Sie also wie ein TED-Referent – „Talk like TED“ -, aber tun Sie es mit Ihrer eigenen TED-Stimme.

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